Das Au Pair-Dasein

Da ich nie vor hatte jemals Au Pair zu werden, hatte ich, bevor ich zu meiner Familie in Australien gekommen bin, mir nie wirklich konkret Gedanken darüber gemacht, was es eigentlich bedeuten würde, Au Pair zu werden.
Jetzt, nach 3 Wochen, kann ich schon so einiges erzählen.
In den ersten Tagen, hat mir Sandrah alles gezeigt, das Haus, Roxby, die School Area mit Skatepark und Playground, wie die Waschmaschine funktioniert, was meine Aufgaben sind und worauf ich sonst so achten muss.
Da jetzt Sommerferien sind bis zum 30. Januar, habe ich alle drei Kinder um mich und meine tägliche Routine sieht in etwa so aus:
Aufstehen, wenn die Jungs aufstehen, heißt um 7/8am
Frühstück für den Kleinen machen, Zähne putzen, anziehen, aufräumen
Wenn nötig, muss ich auch die Wäsche von mir und den Kindern machen
Dann können wir, wenns nicht zu heiß ist, zum Beispiel zur School Area gehen und die zwei Älteren gehen zum Skatepark und der Kleine und Ich in die Library oder zum Playground. Bis ungefähr 12 sollte der Kleine dann seinen Mittagsschlaf begonnen haben. Da hab ich dann für gut eine Stunde ein bisschen Verschnaufpause.
Dann gibt's Lunch. Da die Australier wie zum Beispiel die Italiener Abends warm essen, gibt's Mittags zum Beispiel ein Sandwich, das wusste ich vorher auch gar nicht, dass das so ist.
Danach hüpfen wir in den Pool, spielen Spiele, lesen Bücher zusammen, schauen Filme. Da man hier nicht so wirklich rausgehen kann nachmittags, ist es für mich etwas schwierig, auch jetzt noch, die Kinder drinnen zu beschäftigen. Ich war als Kind eigentlich ständig draußen, bei jedem Wetter, aber bei uns war's ja eher kalt und nass als 40°.. Und oft entstehen durch Brettspiele oder Lego Spielen eher Streitereien, als dass man sich damit dann länger beschäftigt. Außerdem ist hier ziemlich viel Technik im Alltag einbezogen, das kenne ich auch nicht von zu Hause. Anscheinend ist es ganz normal, dass der Fernseher schon beim Frühstück läuft und jeder wie gebannt sein Müsli mit den Augen auf die Glotze gerichtet löffelt. Für mich hat Essen einfach einen ganz anderen Stellenwert. Bei mir daheim, ist es mehr als Essen, es ist ein Ritual, das so viel mehr beinhaltet.
Außerdem haben die Kinder eigene iPads, Fernseher, eine x-Box, Playstation. Klar ist mittlerweile Technik und Internet nicht mehr wirklich wegzudenken, aber es liegt doch immer noch in den Händen der Eltern, ab wann man seine Kinder in die digitale Welt einführt. Damit hatte und habe ich immer noch zu kämpfen. Es wird schon besser und der Alltag wird ausgeglichener, aber trotzdem sind die Geräte einfach da, und ich glaube, wenn man die einmal hat, dann gewöhnt man sich so schnell daran und kann es sich nicht mehr anders vorstellen. Ich hatte glaube ich mein erstes Handy in der 9. Klasse, in der Sicht bin ich einfach ganz anders aufgewachsen, genauso wie die Kinder, die ich kenne. Deshalb fällt es mir schwer das zu akzeptieren.. Ich denke so oft darüber nach, was ich denn so als Kind gemacht habe. Das ist irgendwie auch wieder richtig schön, sich an seine eigene Kindheit zu erinnern, dann merkt man auch, wie schnell die Zeit vergangen ist.
Naja abends gegen 5/6 koche ich dann das Abendessen. Jaa, Essen ist auch so eine Sache. Jedes Kind hat so seine Vorlieben, was das angeht. Da musste ich mich auch erstmal reinfinden und schauen, was wer gern isst. Das ist manchmal gar nicht so leicht. Für mich könnts oft noch gemüsiger sein.
Nach dem Essen sind dann meistens schon die Eltern da, und dann wird meistens der Fernseher angemacht oder X-Box gespielt.
Um 10/11pm geht's für mich dann in's Bett.
Für mich war in den ersten Tagen am wichtigsten, die Familie, die Kinder, und ihr Verhalten und so mitzubekommen, damit ich mich da reinfühlen kann.
Nachdem die ersten Windeln gewechselt waren und die ersten Tage allein überstanden waren, fühlt sich mittlerweile alles schon ziemlich routiniert an.
Ich hatte ja vorher nicht wirklich Ahnung davon. Schon gar nicht, wie man Kinder dazu bringt, zu tun, was du willst, was man machen muss, damit sie glücklich sind, was man tun muss, um Streit zu schlichten und und und. Das witzige dabei ist, dass ich mich so oft dabei ertappe, dass ich früher eigentlich genauso war. In manchen Punkten ähneln sich denke ich alle Kinder und das merke ich hier auch total. Und wenn ich dann sagen muss, "räum dies auf, tu das nicht, sag danke und bitte" komme ich mir vor wie meine Eltern damals.
Es ist eine reine Gewöhnungssache, aber vielleicht will ich mich an manche Dinge nicht gewöhnen und sie ändern. Und ich denke, ich kann es ja zumindest mal versuchen. Diese Zeit ja für mich, das darf ich nicht vergessen. Ich will hier ja nicht nur die Kinder beaufsichtigen, sondern auch für mein Leben etwas dazu lernen. Und ich kann sagen, dass ich bis jetzt täglich etwas dazu gelernt hab. Sei es, ein neues Rezept von Sandrah, ein Kinderlied von Brax, oder wie ich Brodie und Hunter dazu bringe, ihr Zimmer aufzuräumen. Ich lerne aber auch sehr viel für mich persönlich, dass ich ruhiger und gelassener werde, wenn etwas nicht so läuft wie ich es mir vorgestellt habe. Denn mit Kindern passiert es ziemlich oft, dass es anders kommt als geplant und da ist es nicht nur für mich besser, wenn ich lerne mit solchen Situationen auf eine ruhigere Weise umzugehen. Es ist ganz wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass wir alle nur Menschen sind, die Fehler machen. Oft nicht mit Absicht, und bevor man dann sauer wird, sollte man zuerst fragen, wieso derjenige so gehandelt hat. Vielleicht klärt sich dann alles von selbst.
Ja man sieht, Ich versuche nicht nur den Kindern etwas beizubringen, sondern kann auch so viel von den Kindern lernen. Vor allem Englisch. Ja Englisch, ein Punkt der für mich mittlerweile ganz selbstverständlich ist. Durch die Kinder, die oft nicht wirklich deutlich sprechen, lerne ich, zu zu hören, das muss man in einer anderen Sprache noch viel mehr. Außerdem ist es so cool 5 wandelnde Lexika um mich zu haben, die ich immer nach Begriffen fragen kann. Dinge wie Spülbecken, Schublade, Sparschäler, Schnuller werden mir dann sofort übersetzt. Filme auf Englisch zu schauen ist auch ein gutes Training, aber noch fühlt es sich nicht genauso an wie Deutsch. Mein Kopf muss noch mehr nachdenken und oft entstehen bei Filmen dann Lücken, wenn ich nicht alles verstehe.
Schön ist es auch, wenn sie Interesse an der Deutschen Sprache zeigen. Dann übersetze ich ihnen ein paar Worte und sie üben den ganzen Tag die Aussprache. Letztens haben wir ein Video über deutsche Schimpfworte angeschaut. Gottseidank haben sie sich nur "du Otto" gemerkt. Wenn sich die Kinder dann gegenseitig Otto nennen und dabei an ein schrecklich böses Schimpfwort denken, muss ich immer schmunzeln.

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